Im Gedenken

Dieses Gedicht widme ich meinen Bruder, der mit sechs Jahren nach kurzer Krankheit an Gehirntumor gestorben ist.

Ich war drei und noch unerfahren,
du gerade mal ein Bub von sechs Jahren.
Wir spielten zusammen und tobten herum,
dann schlug das Schicksal plötzlich um.
Es sollte nicht sein, dass es weiter so schön blieb--
aber, --wir hatten uns doch lieb!


Es gab Wirbel in unserem Haus,
und - du - bist - raus.
Ich saß da, versteckt unterm Küchentisch,
die Nachbarskinder tobten um mich fröhlich und frisch.
Es war finster und laut,
es war finster, - mir graut.
Manfred, - dir auch?
Mama sagt mir, du bist im Himmel,
bist du jetzt ein Engel?
kannst du mich sehn?
Mit drei Jahren kann ich das nicht verstehn.


Kann das überhaupt jemand verstehn?
wenn es gibt, kein Wiedersehn.
Mit drei Jahren kann ich es nicht verstehn,
die Trauer ist weg - wer hat sie versteckt?


Sie kommt hervorgekrochen nach fast vierzig Jahren,
darf ich die Trauer jetzt noch bejahen?
Ich muß sie suchen, denn sie frisst mich auf.
Nach fast vierzig Jahren, ich nimm alles in kauf.
Jetzt bete, weine und klage ich um dich,
ich nehm dich in den Arm und du drückst mich.
Jetzt weiß ich und mein Verstand sagt: "Es mußte so sein. "
Auch wenn es war zum schrein.

In Gedanken sagst du:"Schwesterlein, es geht mit gut."
Das gibt mir Kraft und neuen Mut.
Ich kann wieder Leben und alles besser sehn,
und du sagst:" Wenn du uralt bist gibt´s ein Wiedersehn."
Und ich lache und weiß, das Leben braucht mich jetzt und hier,
es geht immer weiter, -aber nicht ohne mir.

Tschüß lieber Bruder, ich muß jetzt gehn,
mit drei Jahren konnt ich es nicht verstehn.
Das Leben ist ein auf und ab,
und manche trifft es nicht und manche wirft es ab.
Ich habe jetzt für eine eigene Familie zu sorgen,
bis irgendwann, -aber bitte nicht schon morgen.

Wir können uns ja treffen in meinem Herzen,
und ich kann jetzt sagen, ohne Schmerzen:

Ich habe dich lieb, Manfred, und es geht mir gut.
Das gibt mir Kraft und Mut.

Ruhe sanft!